Grothe Medienberatung
22.04.2022

Wie informieren sich KMU über digitale Themen?

Grothe Medienberatung hat zusammen mit dem Berliner Meinungsforschungsinstitut Mindline Verantwortliche von mittelständischen Unternehmen im Herbst 2021 befragt, aus welchen Quellen sie sich über digitale Transformation informieren. Herausgekommen ist ein facettenreiches Bild über das Informationsverhalten von Geschäftsführer:innen von KMU, in dem sich das große Interesse der Befragten an der Digitalisierung spiegelt. Nicht zuletzt wird deutlich, dass digitale Informationsangebote wie Blogs, soziale Medien und Podcasts ein großes Potenzial haben. Unseren Forschungsbericht finden Sie hier: Wie informieren sich Mittelständler über Digitales – Befragungsergebnisse.

Nach der Auswertung der Befragungsergebnisse haben wir daher gemeinsam mit der Hamburger Produktionsfirma Telemichel überlegt, auf welche Weise man auf das Informationsbedürfnis mittelständischer Unternehmen zu digitalen Themen noch besser eingehen könnte. Entstanden ist daraufhin eine Pilot-Version von „Einfach Machen. Der Digitalisierungs-Podcast für den Mittelstand“: EinfachMachen_Pilot.
Befragung und Podcast sind Elemente des Projekts „Internet Governance: Die Stimme des Mittelstands stärken“, das Grothe Medienberatung in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Wolfgang Schulz in den Jahren 2020 und 2021 umgesetzt hat. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.
23.04.2021

Digitale Schlüsselthemen – Perspektiven des Mittelstands

KMU sind digital und vernetzt, aber für die meisten ist es kaum zu bewerkstelligen, auch noch an der Gestaltung der Rahmenbedingungen der Digitalisierung mitzuwirken. Es fehlt schlicht an Zeit und manchmal auch an anderen Ressourcen. Vor diesem Hintergrund haben wir mit mittelständischen Unternehmen und Verbänden über digitale Schlüsselthemen gesprochen: In welchem Umfang werden digitale Plattformen und Cloud Services genutzt, was sind die aktuellen Defizite und Herausforderungen aus Sicht von KMU?

Herausgekommen ist ein 16-seitiges Thesenpapier aus dem Projekt Internet Governance – Die Stimme des Mittelstands stärken, das verschiedene Perspektiven des Mittelstands zu digitalen Plattformen und Cloud-Lösungen aufzeigt. Außerdem werden Handlungsoptionen vorgestellt, mit denen bestehende Probleme angegangen werden können. Wir freuen uns über Kommentare.

Das Thesenpapier ist Teil eines Projekts von Grothe Medienberatung, mit dem wir die Diskussion darüber vorantreiben wollen, wie die Stimme des Mittelstands in der nationalen und internationalen Internet Governance gestärkt werden kann. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

13.09.2020

Kohärente Medien- und Informationsordnung? Focus Session der EU Medienkonferenz 2020

Im Rahmen der deutschen EU Ratspräsidentschaft hat die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) zur EU Medienkonferenz eingeladen: Es geht um einen zeitgemäßen Rahmen für Vielfalt und Verantwortung von Medien in der digitalen Gesellschaft. Das Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI) hat die wissenschaftliche Begleitung der Medienkonferenz übernommen. Dazu wurde im Vorfeld analysiert, wie die aktuelle Medien- und Informationsordnung der EU aussieht und was zu mehr Kohärenz beitragen kann. Grothe Medienberatung hat im Auftrag des HBI eine Stakeholder-Befragung zu diesem Thema durchgeführt, um die praktischen Erfahrungen der betroffenen Branchen mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen in die Analyse einzubringen. Am 8. September wurden die Ergebnisse von Analysen und Befragung in einer Focus Session präsentiert.

Auf der Projektseite des HBI sind ein Mapping Gutachten der relevanten Rechtsakte sowie ein Policy Paper mit Schlussfolgerungen der Analysen abrufbar. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Stakeholder-Befragung findet sich hier: Focus Session HBI – Visions of a coherent EU Information and Media Order – Stakeholder Inquiry-final

13.09.2020

IGF 2019 in Berlin: Auch der Mittelstand hat eine Stimme

Der Mittelstand macht große Fortschritte bei der Digitalisierung. Umso wichtiger, dass KMU sich verstärkt an der Gestaltung der Zusammenarbeit im Internet beteiligen.

Beim IGF 2019 wurden Elemente einer SME Charter veröffentlicht, die die weitere Einbindung von kleinen und mittleren Unternehmen in zukünftige Internet Governance Prozesse befördern sollen. Die SME Charter war ein deutscher Beitrag zum IGF 2019. Deutschland richtete in diesem Jahr das internationale Event als Gastgeber in Berlin aus.

Darüber hinaus thematisierte eine eigene High Level Session die Rolle von kleinen und mittleren Unternehmen in der Internet Governance. Diskussionsthemen waren die Nutzung von Daten, die Rolle von digitalen Plattformen für kleine und mittlere Unternehmen und die Frage, wie KMU ihre Kräfte bündeln können, um digital noch stärker zu werden.

Unter der Leitung von Friederike Grothe diskutierten María Fernanda Garza, CEO von Orestia und Vorsitzende des International Chamber of Commerce (ICC) Mexico; Heike Hölzner, Professorin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin sowie Partner bei sirius minds, einem Forschungs- und Beratungsunternehmen für digitale Geschäfrtsmodelle; die kenianische Unternehmerin Su Kahumbu Stephanou, Gründerin und CEO von Green Dreams Ltd. und von iCow, einer preisgekrönten Handy-basierten Anwendung, die afrikanische Bauern täglich mit praktischen Handreichungen unterstützt; sowie Pawel Kazakow, Gründer und CEO des Online-Unternehmens GAIWAN Tee Manufaktur und Vorstandsmitglied der Jungen Unternehmer Deutschland.

Hintergrundinformation: Das Projekt „Internet Governance: Chancen für den Mittelstand“ wurde von Grothe Medienberatung in Kooperation mit dem Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) als wissenschaftlichem Partner durchgeführt und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. (Ergebnisbericht)

12.12.2018

Wenn Filterblasen nicht platzen dürfen

Wir alle möchten gerne an gute Geschichten glauben, das gilt auch für Journalisten. Eine dieser Geschichten, die sich andauernder Beliebtheit erfreut, ist jene von Filterblasen und Echokammern, in die uns die sozialen Netzwerke treiben, ohne dass wir ihnen entrinnen könnten. Soziale Medien würden, das behauptet Adrian Lobe am Montag dieser Woche in der Süddeutschen Zeitung, durch ihre Like-Maschinerie die Nutzer manipulieren und durch Belohnungsmechanismen derart konditionieren, dass sie möglichst lange auf der Plattform bleiben. Und das ginge nur, indem man ihnen immer dasselbe anbietet, um sie in ihrer Weltsicht oder ihren Neigungen zu bestärken.

Wenn du jeden Tag dieselbe Suppe isst, wirst du sie lieben, hat Martin Walser einmal geschrieben. Wenn du soziale Netzwerke nutzt, kriegst du fortwährend das, was du ohnehin schon kennst, aufgrund der ausgeklügelten Empfehlungssysteme nur immer ein bisschen zugespitzter, meint nun Adrian Lobe. Am Ende lebten viele Menschen in Filterblasen, die kritische Öffentlichkeit leide und die Konzerne verdienten daran, „dass die Axt an die demokratischen Wurzeln angelegt wird“, heißt es in der Süddeutschen. Wirklich, keine schlechte Geschichte. Schade nur, dass sie nicht stimmt.

So lesen wir am selben Montag online bei werben & verkaufen: „Mediale Filterblasen werden überschätzt“. Das Blatt berichtet über eine aktuelle Studie des Politikwissenschaftlers Matt Grossmann im Auftrag der Knight Foundation. Das Fazit der Studie lautet, dass weit weniger US-Bürger als angenommen sich tatsächlich in einer medialen Filterblase bewegen. Das würden nicht einmal viele derer tun, die dies von sich selbst behaupten. Und, in der Tat: Je mehr man dem behaupteten Phänomen der Filterblase nachgeht, auf desto mehr Quellen stößt man, die zeigen, dass es keine wissenschaftlichen Belege für ihre Existenz gibt. Das gilt nicht nur für die USA, sondern auch für Deutschland. Die Voraussetzungen für Filterblasen sind für die breite Masse nicht gegeben, schreibt etwa Birgit Stark von der Universität Mainz. Sie ist beileibe nicht die Einzige, die zu einem solchen Ergebnis kommt.

Ein Abschottungs- und Polarisierungseffekt, der gemeinhin mit Filterblasen in Verbindung gebracht wird, greift höchstens in kleinen Gruppen an den politischen Rändern der Gesellschaft, die sich freiwillig in Echokammern mit Gleichgesinnten umgeben. Die allermeisten Menschen hingegen informieren sich über verschiedene Quellen und nicht ausschließlich über soziale Medien. Diejenigen, die online unterwegs sind, nutzen sogar mehr Informationsquellen als die Offliner der Bevölkerung. Es spricht also vieles dafür, die Filterblasen zum Platzen zu bringen und sich neuen Geschichten zuzuwenden, die näher an der Wirklichkeit sind. Dazu gehört etwa die Frage, wie verhindert werden kann, dass interessierte Kreise die sozialen Medien gezielt missbrauchen, weil sie die Bevölkerung spalten wollen. Oder auch die Frage, wie man noch stärker ins öffentliche Bewusstsein bringen kann, dass das zuverlässigste Fact-Checking von Journalistinnen und Journalisten geleistet wird, die ihr Handwerk gelernt haben. Die demokratische Öffentlichkeit jedenfalls ist robust genug für eine ehrliche Diskussion.